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Beitrittserklärung

Auch in unserem Osnabrücker Land gibt es noch eine ganze Anzahl von Adligen, die man unter anderem leicht an dem kleinen Wörtchen „von“ vor ihrem Namen erkennen kann. Aber wie haben sie es nur geschafft, adlig zu werden?

Viele ihrer Vorfahren waren ehemals Dienstmannen des Bischofs, der früher ja bekanntlich auch zugleich Landesherr war. Zum großen Teil waren sie in der Landesverwaltung oder auch  als Söldner im Heer des Bischofs tätig, denn auch ein geistlicher Landesherr musste gegen Überfälle gewappnet sein und sein Land gegen Angriffe von außen verteidigen. Zur Belohnung für diese Kriegs- oder Hofesdienste wurden manche, die sich besonders verdient gemacht hatten, mit Gütern belehnt und geadelt.

Wir wissen aber auch, dass eine größere Anzahl dieser Adelsgeschlechter aus den zahlreichen Meyerhöfen hier im Osnabrücker Land hervorgegangen ist. Zu ihnen gehört auch das Geschlecht der Edelherren von Holte, die den dortigen, noch heute existierenden Meyerhof besaßen. Sie waren ursprünglich die Meyer und lebten gemeinsam mit ihrem Gesinde,  betrieben mit ihnen die Landwirtschaft und wurden irgendwann in den Adelsstand versetzt.

Ihr Meyerhof liegt heute mitten in Holte, und zwischen ihm und der Landstraße kann man jetzt noch einen 3 bis 4 m hohen baumbestandenen Hügel mit einem Durchmesser von ca. 50 m erahnen, der im Laufe der Zeit allerdings teilweise zugunsten des Hofgeländes abgetragen wurde. Untersuchungen haben ergeben, dass die Mauerreste, die hier noch zutage treten, aus dem späten 9. oder 10 Jahrhundert stammen. Hier hat sich offenbar eine burgähnliche Anlage befunden, die noch fast bis in unsere Zeit „Meyers Burg“ genannt wurde. Denn es war durchaus keine Seltenheit, dass früher neben einem Meyerhof ein solch befestigtes burgähnliches Steinwerk stand. Auch der Schultenhof  zu Rüssel, der Offersche Hof zu Pye und der alte Meyerhof zu Schledehausen zeigen noch heute diese Merkmale.

Während der Sachsenkriege in der Zeit um 1100 fühlten sich die Edelherren von Holte in ihrer Behausung doch zu sehr Überfällen und Räubereien ausgesetzt. Deshalb errichteten sie unweit davon auf einem Bergsporn eine feste Burg. Bestätigt wird die Baudatierung durch einen Münzfund in der Auffüllschicht. Es handelt sich um einen Mimigernafordpfennig, der ab etwa 1075 im Umlauf war. Da das Baugelände zur allgemeinen Holter Mark gehörte, waren die Markgenossen über den Bau der Burg nicht sehr erfreut. Sie sahen ihre Rechte geschmälert und mussten jetzt mehr denn je befürchten, dass die neue Burg noch mehr Raubgesellen, Banditen und anderes Gesindel magisch anziehen würde und großen Unfrieden in ihr stilles Holte tragen könnten.

Man hatte eine starke Burg gebaut mit drei Ringwällen und dazwischen zwei tiefen Gräben, wobei der innere sehr tief in das Gestein des Berges eingehauen ist. Beide Gräben umschließen nahezu kreisrund die Burg, jedoch nur zu etwa drei Viertel, da die nordwestliche Seite ohnehin durch einen Steilhang geschützt ist.

Das Burgareal selbst war zusätzlich von einer Ringmauer umgeben, die an der westlichen Seite von einem 6,50 m langen und 5,50 m breiten so genannten Kammertor durchbrochen war. Kammertore bildeten ein System aus zwei hintereinander angeordneten Toren. Ursprünglich war nur ein kleineres Tor der Eingang zur Burg. Beim späteren Anlegen des Kammertores wurde die Durchfahrt verbreitert und das Gelände im Bereich des Tores um über 1,80 m aufgeschüttet. Außerdem wurde die Ringmauer rechts und links des Tores von 1,50 m auf 1,70 m erhöht.

Eine kleine Kapelle gehörte von Anfang an zur Burg. Sie lag gleich rechts neben dem Burgtor. 1997 konnte man die Abmessungen genau rekonstruieren. Die Kapelle war 11,50 m lang und 6,20 m breit und hatte an der Ostseite eine halbrunde Apsis. Darin konnte neben dem Altarfundament aus behauenen Muschelkalkquadern die Pflasterung des Chorbereiches mit Kalksteinplatten festgestellt werden. Man entdeckte sogar unter dem westlichen Teil des Gotteshauses ein kellerartiges Untergeschoss.

Gegenüber der Kapelle befand sich an der Ostseite der Burgmauer der steinerne, eng bemessene, quadratische Wohnturm, der so genannte Palas, der innen nur 8,20 m x 8,20 m maß, aber einige Etagen aufwies. In ihm waren auch die Kemenate (Frauengemach) und der Festsaal untergebracht. Dieser Wohnturm erinnert mit seinen Ausmaßen an die Steinwerke, wie sie für das Osnabrücker Land charakteristisch sind.

Zwischen Kapelle und Wohnturm erhob sich mitten im Burghof der große Bergfried. Er war nicht nur bei Gefahr die letzte Zufluchtstätte für die Burgbesatzung, sondern auch der Stolz eines jeden Burgherren und galt als Zeichen ritterlicher Macht und Unabhängigkeit. Im Gegensatz zu den Türmen der benachbarten Höhenburgen Tecklenburg und Ravensberg, die auf der Angriffsseite schiffsbugartig gestaltet waren, damit Geschosse leichter abprallen konnten, ist der Bergfried der Holter Burg völlig rund. Dessen Sockel hatte eine Höhe von 5,50 m, und darauf stand der hohe mächtige Wehrturm mit einem Durchmesser von 15,50 m, wovon ein Turmstumpf von 4,70 m Höhe noch erhalten ist. Ebenso wie die Burgmauer ist auch die Mauer des Bergfrieds in ihrem Inneren als „Opus spicatum“ (spica = Ähre) gemauert worden. In diesem ährenförmigen Mauerverband sind die Steine hochkantig gestellt und um den Seitenschub zu vermeiden, schichtweise nach rechts und links geneigt. Im Kern besteht das Mauerwerk nämlich aus dem örtlichen  Muschelkalkbruchstein und hellockerfarbenem Kalkmörtel, das sich zur waagerechten Vermauerung nicht eignet. Für die Außenschale des Turmes hat man dagegen sorgfältig behauene Muschelkalkquader mit wechselnden

Im Ganzen gesehen war die Holter Burg zwar eine relativ kleine Rundburg mit einem Areal von ungefähr 50 m Durchmesser. Aber sie war eine feste Burg, eine trutzige, wehrhafte, in der sich die Edelherren sicher fühlen konnten.

Doch der Burgfriede sollte nicht lange dauern. Es kam zu einer folgenschweren Auseinandersetzung zwischen den Edelherren von Holte und dem Bischof Philipp von Osnabrück. Die Gründe sind nicht ganz klar. Die Markgenossen zeigten immer noch ein unfreundliches Verhalten gegenüber den Edelherren auf der Burg, denn der Sage nach seien die Burgherren Egbert und Engelbert von Holte sogar Raubritter gewesen, die das Land schwer bedrückt hätten. Der Bischof nahm diese Tatsache nicht ohne Hintergedanken zum Anlass, sich demonstrativ vor seine Untertanen zu stellen und deshalb einen Streit mit den Edelherren vom Zaun zu brechen. Bei dieser Gelegenheit wollte er nämlich auch die Hoheitsrechte der Edelherren an sich reißen und so seine weltliche Machtstellung festigen. Aus diesem Grunde musste er den Konkurrenten auf jeden Fall ausschalten.

Er verbündete sich mit dem Grafen von Ravensberg, und die gemeinsamen Truppen zogen nun gen Holte. Sie fanden dort eine offensichtlich unbesiegbare Burg vor, und es blieb ihnen nichts anderes übrig, als diese zu belagern. Sie ließen keinen Menschen hinein und keinen heraus. Die Sage berichtet weiter, dass die Belagerung der Burg sieben lange Jahre dauerte und die Truppen sich wunderten, dass die Burgbesatzung nicht schon längst vor Hunger aufgegeben hatte. Die Söldner wussten nicht, dass eine Bauersfrau täglich durch einen unterirdischen Gang von Holte hinauf zur Burg ging und die Burgleute mit Brot, Butter, Eiern, Fleisch und anderen Nahrungsmitteln versorgte. Wenn sie die Burg mit leerem Korb wieder verließ, hatte sie immer einen Batzen Geld in ihrem Beutel.

Als nach 7 Jahren den Edelherren offenbar das Geld ausging, so berichtet die Sage weiter, blieben sie der Bauersfrau die Bezahlung schuldig. Vor Ärger lief sie zu den Truppen des Bischofs und verriet ihnen den geheimen Gang. Nun war es für sie leicht, die Burg zu erstürmen. Die Burgherren Egbert und Engelbert konnten sich selbst in Sicherheit bringen. Vorher aber warfen sie, so berichtet die Sage weiter, ihren wertvollsten Schatz, einen Tisch, dessen Platte mit einem großen Diamanten bestückt war, in den tiefen Schlossbrunnen. Die Burg wurde bis auf die Grundmauern zerstört, und die Soldaten zogen wieder ab.

Jahre später sollen sich Bauern aus der Umgebung in einer dunklen Nacht daran gemacht haben, den Schatz zu heben. Sie hatten Mühe, den schweren Diamantentisch  an langen Seilen zu befestigen und herauszuziehen. Als sie ihn fast oben hatten, ging gerade die Sonne auf und warf ihre ersten Strahlen auf den Edelstein. Die Bauern wurden vom dem Glanz des Kleinods dermaßen geblendet, dass sie vor Schreck den Tisch fallen ließen und dieser polternd wieder in der Tiefe des Brunnens verschwand. Bis heute hat man den Schatz nicht bergen können.
So weit die Sage.

Rudolf v. Bruch gibt in seinem Buch „Die Rittersitze des Fürstentums Osnabrück“ das Jahr 1144 als das Jahr der Zerstörung an. Die Edelherren waren damit aber nicht heimatlos geworden. Der Meyerhof  mit „Meyers Burg“ war ihnen ja geblieben. Dorthin zogen sie sich nun zurück. Später folgten sie dem Beispiel anderer Adelsgeschlechter und bauten im Hofraum neben ihrer „Burg“ am Meyerhof ein Augustinerkloster, behielten aber sowohl das Steinwerk als auch den Meyerhof für sich. Unter solchen Umständen konnte sich jedoch die Abtei aufgrund der Enge nicht ausreichend entwickeln und wurde deshalb schon 1287 nach Osnabrück verlegt.

Innerhalb der Kapelle hat man kürzlich festgestellt, dass sie noch nach der Zerstörung genutzt wurde. Es fanden sich Überreste von Lagerfeuern mit Schlachtabfällen, und es waren nachträglich wieder flüchtig Bruchsteine auf die verbliebenen Mauerkronen gesetzt worden, so dass in Heimatchroniken vermutet wird, dass die Ruine der Holter Burg noch bis zum Dreißigjährigen Krieg ein Räubernest gewesen sei.

Die Edelherren von Holte lebten noch wenige Generationen lang auf dem Meyerhof oder besser gesagt in „Meyers Burg“ in Holte. Aber das Ende des Holter Geschlechtes war nahe. Einer der letzten, Wigbold von Holte, ging mit dem Einverständnis seiner Frau 1261 als Mönch ins Kloster Lockum, seine Gattin 1285 als Nonne nach Bersenbrück. Von ihren 6 Kindern wandten sich alle außer Hermann ebenfalls dem geistlichen Stande zu und lebten aufgrund des Zölibats ehe- und kinderlos. Hermann war ein streitbarer Mann, machte aber dennoch, dem Brauche seines Geschlechtes folgend, der Kirche erhebliche Zuwendungen. Er war auch derjenige, der das oben genannte Augustinerkloster neben dem Meyerhof gründete. Von seinen Kindern wurde Ludwig, der letzte Spross der Linie, Domherr in Münster, und seine beiden Töchter heirateten und nahmen den Besitz mit in ihre Ehe. Am 14. April 1315 wurde die Burgruine auf dem Berge für 350 Osnabrücker Pfennige an den Grafen Otto von Ravensberg verkauft. Damit war das Ende des Geschlechtes der Edelherren von Holte endgültig besiegelt.

Literatur:
Rudolf v. Bruch: Die Rittersitze des Fürstentums Osnabrück, Wenner, 1965
Edgar F. Warmecke: Das große Buch der Burgen und Schlösser, Wenner
Carolin Sophie Prinzhorn: Neue Grabungen auf der Burg Holte, im Heimatjahrbuch Osnabrück Land 2008
Bodo Zehm und Jan-Eggerik Delbanco: Holte und die Holter Burg, 2011


Bilder / Fotos
1.    Belagerung der Holter Burg, gezeichnet von Carl Fabian, sen., entnommen dem Buch von Bernhard Feige: „Borgloh – seine Geschichte und Geschichten“ 1981
2.    Der Meyerhof zu Holte mit baumbestandenen Hügel (Meyers Burg)
3.    Der tiefe Graben
4.    Ein Ringwall
5.    Heutiges Bild der Ruine

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